Vor Kurzem habe ich den Film „The Life of Chuck” gesehen. Ich hatte zu Beginn die Befürchtung, dass es ein schwerer Film werden würde. Vielleicht sogar einer, der sich nicht positiv auf die Stimmung auswirken wird. Und doch war es am Ende etwas anderes. Etwas, das ich noch nicht ganz greifen kann.
Ein Gefühl von Stimmigkeit, fast Wärme.
An einer Stelle – es ist ein Gespräch des Protagonisten mit dessen Großvater – geht es um Statistik, darum dass Statistik das Leben vorhersagen könne.
Und ich merkte, dass das stimmt – und gleichzeitig nicht.
Statistik beschreibt Wahrscheinlichkeiten. Es wird dabei von einer möglichst repräsentativen Stichprobe auf eine Grundgesamtheit geschlossen. Sie sagt zum Beispiel etwas darüber aus, wie sich ein großer Teil von Menschen einer Gruppe unter bestimmten Bedingungen verhalten oder entwickeln wird. Sie kann Risiken benennen. Sie kann Chancen quantifizieren. Statistik ist dabei ein wertvolles Instrument wissenschaftlicher Arbeit. Daran besteht kein Zweifel.
Aber sie beschreibt keine konkreten Menschen. Nur Verteilungen. Wenn man es streng nimmt, beschreibt Statistik immer eine Art fiktive Person. Einen Durchschnittsmenschen. Doch dieser Durchschnitt existiert nicht.
In der Realität gibt es nur Individuen.
Es ist extrem unwahrscheinlich, in einer Lotterie zu gewinnen. Und doch gewinnt jemand.
Es ist extrem unwahrscheinlich, einer der größten Tänzer aller Zeiten zu werden. Und doch wurde es jemand – wie Gene Kelly.
Statistik kann sagen, wie selten so etwas ist. Aber sie kann nicht sagen, wer es sein wird.
Für mich liegt genau hier die Gefahr. Dass wir beginnen, Wahrscheinlichkeiten wie Grenzen zu behandeln. Als würden sie festlegen, was möglich ist – und was nicht. Dabei beschreiben sie nur, was häufig ist oder selten – nicht, was sein kann. Wenn man ein Leben nur statistisch betrachtet, dann wird es zu einer Erwartung. Zu einem Mittelwert. Zu einer Prognose. Aber kein Mensch erlebt sein Leben als Durchschnitt.
Es war ein anderer Aspekt, der mich an diesem Film berührt hat: Dass das Leben keinen Nutzen erfüllen muss, keine Wahrscheinlichkeit bestätigen, keine Erwartung einlösen. Dass es genügt, dass es gelebt wird.
Und vielleicht ist es deshalb besser, in einem Traum zu scheitern, als ihn nie versucht zu haben.
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