Willkommen im Blog

Hier findest Du meine persönlichen Essays und Gedanken.
Ich lade Dich ein, mitzulesen, zu teilen und sich an den Diskussionen zu beteiligen. Viel Freude beim Entdecken!

 

Die Erschöpfung der Zweckrationalität

Auf einem Elternabend meines Kindes meldete sich eine Mutter zu Wort. Sie beklagte die mangelnde Motivation vieler Schülerinnen und Schüler. Es stimmt, ihr eigener Sohn ist intelligent, fleißig und diszipliniert. Er lernt früh und intensiv, um sich ein gutes Studium zu sichern. Doch nun ging es um alle Schülerinnen und Schüler. Von den Lehrkräften erwarte sie mehr Strenge, um auch die anderen zu motivieren.

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Wenn die Zukunft fragil wird

Es gibt Zeiten, in denen Menschen mit großer Ernsthaftigkeit über langfristige Sicherheiten sprechen. Über Altersvorsorge, Karrieren, Lebensentwürfe. Junge Menschen sorgen sich um ihre Rente, Eltern um Bildungswege, ganze Gesellschaften um Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität. All dies geschieht, als sei Zukunft etwas, das sich verlässlich planen ließe – als sei sie im Wesentlichen eine Fortschreibung der Gegenwart.

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Finanzieller Erfolg als Erzählung

Es gibt Bücher, die nicht primär gelesen werden, um Neues zu lernen, sondern um sich zu vergewissern. Sie versprechen Orientierung in einer komplexen Welt, Klarheit in ökonomischen Fragen und nicht selten auch ein Gefühl von Kontrolle. Erfolgs- und Finanzratgeber gehören seit Jahrzehnten zu dieser Gattung. Ihre Popularität ist bemerkenswert – und sie ist kein Zufall.

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Leere Hülle

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“  Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz

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Bevor der Befund vorliegt

Ich saß mit einem sehr guten Freund am gestrigen Abend im Pub.Volle Tische, Gespräche, Lachen, Gläser, Bewegung. Nichts Außergewöhnliches. Und doch fiel mir etwas auf, das ich so bislang nicht kannte. An fast jedem Tisch stand vor einzelnen Personen ein ganzer Pitcher Bier. Nicht einer zum Teilen, sondern jeweils einer pro Kopf. Man trank daraus, stellte das Glas ab, bestellte nach. Zwischendurch kamen Tabletts mit hochprozentigen Shots vorbei. Alles wirkte gesellig, funktionierend, routiniert.

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Die Wartung der Welt

Es ist eine merkwürdige Zeit: Wir arbeiten so viel wie nie zuvor – und doch wissen viele Menschen nicht mehr genau, wofür sie es tun. Tage, Wochen, Jahre gefüllt mit Mails, Besprechungen, Formularen und Strategien, die kaum jemand hinterfragt. Millionen von Menschen beschäftigen sich damit, Prozesse zu warten, Regeln zu befolgen, Berichte zu schreiben, deren Sinn sich irgendwann in sich selbst verliert. Manchmal scheint es, als hätten wir eine ganze Zivilisation erschaffen, deren Hauptaufgabe darin besteht, sich selbst am Laufen zu halten.

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Unzensierte Sinnlichkeit

Es gibt Momente, in denen nichts Dramatisches geschieht – und doch stimmt etwas nicht.Man funktioniert, man lebt ein ordentliches Leben, man ist eingebunden, reflektiert, verantwortungsvoll. Und trotzdem bleibt ein Gefühl zurück, das sich nicht beruhigen lässt: eine innere Leere, eine Unruhe, ein körperliches Fremdsein. Nicht, weil etwas fehlt, das man benennen könnte. Sondern weil etwas fehlt, wofür unsere Sprache erstaunlich wenig Worte kennt.

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Woher wir schauen

An manchen Wintermorgen sind die Scheiben des Kuhstalls, an dem ich vorübergehe, von feinen Eisblumen überzogen. Farnartig, verzweigt, von einer stillen Ordnung, die man eher in einem Lehrbuch für Physik oder Botanik vermuten würde als an einem Ort, der nach Arbeit, Wärme und Tier riecht. Niemand hat sie geplant. Niemand braucht sie. Und doch sind sie da.

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Über Grenzen des Reichtums und die Erinnerung an Herkunft

Es gibt Orte, an denen sich soziale Wirklichkeit besonders deutlich verdichtet. Die Kitzbüheler Alpen gehören dazu. Skiferien sind heute ein Luxus, auch dann, wenn man sie vergleichsweise bescheiden organisiert – mit einer Ferienwohnung statt eines Fünf‑Sterne‑Hotels, mit Selbstverpflegung statt Gourmetmenüs. Und doch bleibt man Teil eines Systems, in dem innerhalb weniger Tage Summen ausgegeben werden, die für andere Menschen dem Monatsbudget entsprechen.

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Geleitete Kraft

Es gibt Tage – oder eher Momente innerhalb eines Tages –, in denen ich unversehens an meinen Körper erinnert werde. Nicht durch Schmerz oder Krankheit, sondern durch Präsenz. Durch Empfindungen, die sich in den Vordergrund schieben, den Fokus bündeln, Aufmerksamkeit fordern. Phasen, in denen der Körper nicht mehr bloß Hintergrund des Denkens ist, sondern selbst zum Thema wird.

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Vom kleineren Übel und dem großen Schweigen

Es gibt Gedanken, die sich nicht ankündigen. Sie stellen sich nicht höflich vor, sie bitten nicht um Zustimmung.  Sie sind einfach da – und lassen sich nicht mehr abschütteln. Einer dieser Gedanken lautet: Es gibt kein größeres Leid als den Krieg.Dieser Satz wirkt auf den ersten Blick pathetisch, vielleicht sogar naiv. Und doch wird er schwerer, je länger man bei ihm verweilt. Schwerer, weil er nicht bei den Toten stehen bleibt. Sondern bei denen, die überleben. Bei den Traumatisierten, den Verstummten, den innerlich Verhärteten. Bei den Kindern, die in eine Welt hineinwachsen, in der Gewalt nicht mehr Ausnahme, sondern Hintergrundrauschen ist. Krieg endet nicht, wenn Waffen schweigen. Er zieht in Menschen ein – und bleibt dort oft ein Leben lang.

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Den inneren Dämon beim Namen nennen

Man sagt oft, man habe mit seinen Dämonen zu kämpfen. Das Bild ist stark – und zugleich irreführend. Denn es suggeriert einen äußeren Feind, einen Kampf, einen möglichen Sieg. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell: Diese Dämonen sind keine Fremden. Sie sind alt. Sie sind vertraut. Und sie haben uns oft lange gedient.

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Die Distanz zwischen Entscheidung und Konsequenz

Am vergangenen Wochenende fand das Adventskonzert der Schule meiner Kinder statt. Schülerinnen und Schüler der Unter- und Mittelstufe sangen Weihnachtslieder. Klare Stimmen, noch nicht gebrochen. Ein wenig Aufregung, ein wenig Stolz. Dieses besondere Schweigen im Raum, das entsteht, wenn Erwachsene für einen Moment wirklich zuhören.

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Über Schreiben, Freundschaft und den Mut, unvollkommen zu beginnen

Neulich schrieb mir ein Freund, mit dem mich eine langjährige, tiefe Freundschaft verbindet. Einer von denen, bei denen man nicht regelmäßig voneinander hört, aber sofort wieder anknüpft. Er erzählte, wie schwer es ihm falle, mit dem Schreiben zu beginnen – obwohl die Gedanken längst da sind. Doch sobald er sich hinsetzt, verwandelt sich ein einfacher Impuls in einen überhöhten Anspruch: ein kleiner Gedanke, der plötzlich, wie er es sagt, der Anfang eines „zweiten Zauberbergs“ sein soll. Und schon versiegt alles.

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Persönliche Daten und Wahrhaftigkeit

Es gibt einen Punkt, an dem Schreiben seine Unschuld verliert.Ich meine nicht, wenn es provokant würde, sondern wenn es persönlich wird. Weil Gedanken nicht mehr abstrakt bleiben, sondern autobiografisch. Weil sie nicht nur eine Meinung ausdrücken, sondern Herkunft, Zweifel, Werte, Brüche. Und weil sie in einem digitalen Raum entstehen, der speichert, verknüpft und potenziell entgrenzt.

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Das Wertschöpfungs-Hamsterrad

In der Wirtschaft spricht man von der Wertschöpfungskette. Der Begriff klingt nüchtern und vernünftig. Geordnet, linear, berechenbar: Rohes wird veredelt, Schritt für Schritt, bis am Ende ein fertiges Produkt steht. Eine saubere Metapher. Und doch verdeckt sie mehr, als sie erklärt.

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Über Selbstzensur und die Frage, ob man respektvoll unbequem sein kann

Manchmal, wenn ich einen Essay schreibe, passiert etwas Beunruhigendes.Ein Gedanke taucht auf — klar, kraftvoll, ungeschönt — und kaum ist er da, beginne ich, ihn zu glätten. Nicht, weil er falsch wäre. Nicht, weil ich ihn verwerfen möchte. Sondern weil ich ahne, wie er wirken könnte, wenn er den Raum verlässt, in dem er entstanden ist.Ich höre meine eigenen Worte durch die Ohren eines imaginären Publikums.  Ich passe sie an. Ich entschärfe sie. Ich mache sie handzahm.

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Das Vogerl des Glücks

Es ist ein milder Nachmittag. Späte Sonne auf nassem Pflaster.Die Straßen glänzen noch vom Regen. Die Luft riecht nach Stein, Kastanien und frisch aufgebrühtem Kaffee. Clara und ich schlendern durch die Altstadt, vorbei an kleinen Cafés, über das Kopfsteinpflaster, weiter in Richtung Marktplatz.

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Im Takt – Wenn allein der Körper denkt

Seit Wochen hatte ich das Gefühl, abends nur noch abschalten zu können, wenn ein Bildschirm flimmert. Alles andere schien zu viel: lesen, nachdenken, sprechen – selbst Stille.Aber gestern war anders.Meine Frau und ich, wir waren tanzen – Paartanz.

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Die blinde (Un)Gerechtigkeit

Ein Rettungswagen stand in der Straße. Blaulicht in der Dämmerung, ein kurzer Schock – die alte Nachbarin, dachte ich.Über neunzig, dement, längst abgewandt von der Welt, doch freundlich, milde, meist heiter in ihrer Entrücktheit.

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Im falschen Film

Es gibt Momente, in denen man spürt, dass das eigene Leben nicht ganz stimmt.Nicht falsch im moralischen Sinn, eher wie eine Szene, in der man zufällig gelandet ist — ein Statist in einer Geschichte, die jemand anderes geschrieben hat.

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Begegnung mit meinem Egoismus

Es regnete als ich vom Einkaufen kam. Das Wasser lief über die Scheiben meines Autos, wischte die Welt weich, wie eine Erinnerung, die nicht ganz verschwinden will.An der Kreuzung sah ich sie – eine Nachbarin, die ihre schweren Taschen nach Hause trug. Sie hatte mich noch nicht bemerkt. Ich aber sie.Ich hätte anhalten können. Es wäre kein Umweg gewesen, keine Mühe, keine Last. Nur ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit, ein kleines Innehalten. Und doch fuhr ich weiter.

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Die Sprache der Ersetzbarkeit

Es gibt Sätze, die in ihrer Nüchternheit mehr Gewalt tragen als jedes laute Wort. „Im Fall eines Krieges müssten geschätzt 1000 getötete oder verwundete Soldaten pro Tag ersetzt werden.“ So stand es da, in einem Nachrichtenartikel Ende Oktober 2025, sachlich, funktional, fast steril und doch ist es eine Sprache, die tötet, bevor ein Schuss fällt.  Denn wo von Ersetzung gesprochen wird, ist der Mensch bereits aus dem Denken verschwunden. Das Individuum, das liebt, das zweifelt, das hofft und zugleich geliebt wird, vermisst wird, betrauert wird, ist ausgelöscht. Es bleibt nur die Hülle, die Funktion. Das Wort „ersetzt“ löscht das Ich ebenso wie das Du, denn es nimmt dem Menschen nicht nur seine Würde, sondern auch seine Beziehung zur Welt. Die Sprache der Ersetzbarkeit vernichtet das Zwischenmenschliche, bevor sie den Körper vernichtet.  

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Die Kieselstein-Theorie

Ein Bild für den Umgang mit begrenzten psychischen Ressourcen. Die Kieselstein-Theorie ist kein klinisches Modell, sondern eine poetische Metapher für den inneren Energiehaushalt in erschöpften Zeiten.

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Schreiben und Künstliche Intelligenz: Wer ist der Autor, wenn die Worte durch eine Maschine gehen?

Es gibt Augenblicke, in denen die Sprache nicht aus der Feder fließt, sondern im Inneren gärt. Als Gedanke, als Gefühl, als Spannung, die nach Ausdruck verlangt. Ein Maler muss malen, ein Sänger muss singen, ein Schriftsteller muss schreiben. Es ist ein inneres Bedürfnis. Doch was, wenn der Schriftsteller nicht mehr selbst schreibt, sondern "schreiben lässt", nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil der Gedanke nur im Dialog Gestalt annimmt?Oft liegt die Schwierigkeit nicht in der Sprache selbst, sondern in der Diskrepanz zwischen der Geschwindigkeit des Denkens und der Trägheit des Ausdrucks. Der Gedanke erscheint in Bildern, Zusammenhängen, Schwingungen und noch während man überlegt, wie man ihn formulieren soll, entgleitet er schon. Das Schreiben, das Fixieren, das Ringen um Präzision erschöpft den Fluss. Der Perfektionist zögert, bis der Gedanke erkaltet ist. Doch im Gespräch mit einem Gegenüber, das schnell reagiert, unermüdlich zuhört und jede Nuance aufnimmt,  bleibt die innere Bewegung lebendig.

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Kommentare

Deine Ehefrau und dein Fan
Vor 3 Monate

Es ist so ein tiefer Genuss für mich, deine Beiträge zu lesen und zu fühlen 😘

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